Besuch bei der Verbraucherzentrale EN

Mein Kollege Hubertus Kramer und ich mit Andrea Kopetzki (2. von links) und Helga Schuppert (rechts) von der Verbraucherzentrale NRW

Die Tage, an denen ich nicht in Düsseldorf bin, nutze ich, um in Herdecke und Witten unterwegs zu sein. Ich treffe mich mit ehrenamtlich aktiven Menschen, ich besuche Einrichtungen und Vereine und tausche mich mit Initiativen aus – diesmal habe ich gemeinsam mit meinem Landtagskollegen Hubertus Kramer die Verbraucherzentrale in Witten besucht.

Seit Eröffnung ihrer Beratungsstelle in Witten im April 2015 verzeichnet die Verbraucherzentrale NRW viel Zuspruch und stetig steigende Fallzahlen. Eine erfreuliche Nachricht, die dennoch einen faden Beigeschmack hat, denn: Wer sich an ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wendet, hat Probleme im Rechtsverkehr und benötigt Beratung oder sogar Hilfe.

Die Verbraucherzentrale ist ein auf Landesebene organisierter Verein, den es in ganz Deutschland gibt. Zu der wichtigsten Aufgabe der Verbraucherzentralen gehört der Schutz von Verbraucherinnen und Verbrauchern. Sie erfüllen somit einen staatlichen Auftrag, wenn sie Menschen in Fragen des Verbraucherrechts informieren, schützen und beraten. So vielfältig, wie die Rechtsgeschäfte sind, die Menschen im Alltag tätigen, so umfassend sind auch die Themen, mit denen sich die Verbraucherzentrale NRW befassen muss. Medizinische Behandlungen, Energielieferung oder Mietangelegenheiten – Fallstricke und unseriöse Klauseln finden sich in unzähligen Verträgen, selbst bei bekannten und somit vermeintlich seriösen Vertragspartnern, erklärt Andrea Kopetzki, die Leiterin der Beratungsstelle in Witten. Erst kürzlich habe die Verbraucherzentrale gegen eine Klausel in Bausparverträgen einer bekannten Bank geklagt, die bei der Auszahlung der Bauspardarlehen eine Darlehensgebühr vorsah – zu Unrecht, wie die Gerichte feststellten. Bitter, wenn man bedenkt, dass der Bausparvertrag auch heute noch für viele Bürgerinnen und Bürger zu den beliebtesten Anlageformen gehört.

Ein Problem, mit dem sich die Verbraucherzentralen, aber vor allem die Politik in Zukunft noch intensiver beschäftigen muss, ist die Rolle des Verbrauchers in der digitalisierten Welt und die damit einhergehenden rechtlichen Fragen, berichtet Helga Schuppert, Regionalleiterin der Verbraucherzentrale. Menschen konsumieren Medien online, schließen Verträge über das Internet und zahlen über ihr Smartphone – nicht wenige finden sich anschließend in Abo-Fallen wieder oder fallen auf Fake-Onlineshops herein.

Doch auch die klassischen Haustürgeschäfte beschäftigen die Verbraucherzentralen nach wie vor, denn insbesondere Energielieferungsverträge werden zunehmend im Direktvertrieb an der Haustür angepriesen. Nicht nur Marktneulinge, sondern auch am Markt etablierte Unternehmen nutzen diese Vertriebsform. Die unerwartete Überrumpelung in ihrer häuslichen Umgebung, falsche Tatsachen und niedrig gerechnete Preise verleiten insbesondere ältere Menschen dazu, einen Vertrag an der Haustür abzuschließen. Doch auch Menschen mit Migrationshintergrund werden aufgrund sprachlicher Barrieren vermehrt und gezielt zu Opfern dieser Geschäftspraxis. Obwohl die Rechte der Verbraucher in diesen Fällen in den letzten Jahren gesetzlich gestärkt wurden, wissen viele Menschen nicht, wie sie diese durchsetzen können. Ein Grund für die Beratungsstelle in Witten, aktiv auf die Bürgerinnen und Bürger zuzugehen und Informationsveranstaltungen anzubieten, auch in Kooperation mit anderen Vereinen. Leider werde dieses Angebot derzeit nicht sehr häufig nachgefragt, bedauert Andrea Kopetzki.

Ich finde die Arbeit der Verbraucherzentralen sehr wichtig und begrüße ausdrücklich, dass die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aktiv auf die Menschen hier zugehen. Es ist schade, dass die zahlreichen Informationsangebote nicht noch breiter genutzt werden. Die Verbraucherzentralen haben in Deutschland den staatlichen Auftrag, die Verbraucherinnen und Verbraucher zu informieren, zu beraten und zu schützen und werden entsprechend steuerlich finanziert, hier im Ennepe-Ruhr-Kreis durch die Kreisumlage – dieses Angebot sollte dementsprechend auch in allen Kommunen genutzt und beworben werden.