9. November 1938

Die Erinnerung an den 9. November 1938 muss uns Mahnung und Verpflichtung zugleich sein. Hier die Erklärung der SPD-Landtagsfraktion, die ich gerne teile:

Der 9. November ist kein Tag wie jeder andere. Der 9. November ist unauslöschlich mit der Reichspogromnacht im Jahre 1938 verbunden. Vor dem Grauen, welches an diesem Tag und der sich anschließenden Nacht im Jahre 1938 seinen ersten entsetzlichen Höhepunkt fand, fällt es schwer gleichzeitig an diesem Tag zugleich der Freude Ausdruck zu geben, die das Ausrufen der Weimarer Republik im Jahre 1918 und der Fall der Mauer im Jahre 1989 ausgelöst haben. Die Ereignisse im Jahre 1938 sowie das Wissen um die Jahre danach bis zum 8. Mai 1945 lassen es zwingend geboten sein, sich diese in Erinnerung zu rufen.

Die damaligen Ereignisse spielten sich vor den Augen aller Bürgerinnen und Bürger ab, ohne dass nennenswert dagegen aufbegehrt oder gar eingeschritten wurde. Daraus haben wir lernen müssen: Passivität heißt auch Mitverantwortung.

Und 79 Jahre später, im Jahr 2017, nachdem von den wenigen Überlebenden der Shoah einige Wenige den Mut und die Zuversicht hatten neues jüdisches Leben in Deutschland, in Nordrhein-Westfalen aufzubauen, können wir mit großer Dankbarkeit feststellen, dass wieder jüdisches Leben seinen festen Platz in unserem Land gefunden hat. Zugleich stellen wir aber fest, dass die überwunden geglaubten menschenverachtenden Ideologien wieder zunehmend in unserer Gesellschaft auf fruchtbaren Boden treffen und rechtsextreme Parteien und Organisationen regen Zulauf zu verzeichnen haben.

Die Sozialdemokratinnen und Sozialdemokraten im nordrhein-westfälischen Landtag bekennen sich zur Tradition von Otto Wels und anderen Sozialdemokratinnen und – demokraten, die damals nationalsozialistischer Ideologie die Stirn geboten haben, und wollen auch weiterhin zum Widerstand aufrufen gegen alle, die Rassismus, Ausländerfeindlichkeit und Antisemitismus verbreiten.

Unser Land ist ein Land in dem Menschen unterschiedlichster Kulturen, Religionszugehörigkeit und Weltanschauung friedlich zusammenleben und darauf sind wir stolz. Deshalb unterstützen wir auch alle Bemühungen offensiv und nachdrücklich gegen Antisemitismus, Rassismus und Rechtsextremismus vorzugehen. Die zahlreichen Gedenkveranstaltungen im ganzen Land und deren Beteiligung vor Ort sind Beispiel für den lebendigen Widerstand. Auch den Mahn- und Gedenkstätten in NRW gebührt Dank für ihre permanente Erinnerungsarbeit.

Uns bleibt der 9. November Mahnung und Verpflichtung zugleich für immer.