„Lebensritter“ beim Netzwerk Organspende NRW

Die Tage, an denen ich nicht in Düsseldorf bin, nutze ich, um in Herdecke und Witten unterwegs zu sein. Ich treffe mich mit ehrenamtlich aktiven Menschen, ich besuche Einrichtungen und Vereine und tausche mich mit Initiativen aus. Diesmal habe ich das Netzwerk Organspende NRW in seiner Geschäftsstelle in Witten besucht.

Die Nachricht, dass die Anzahl der zu einer Organspende bereiten Menschen in Deutschland einen historischen Tiefstand erreicht hat, erschütterte Anfang des Jahres nicht nur den Landtag. Die Zahlen sind alarmierend, und sie sinken weiterhin. Neben der unangenehmen Auseinandersetzung mit der eigenen Sterblichkeit haben nicht zuletzt Skandale im Zusammenhang mit Organspenden viele Menschen verunsichert.

Genau diese Verunsicherung möchte das Projekt „Lebensritter“ des Netzwerk Organspende NRW allen Verunsicherten nehmen. „Wir möchten den Menschen das Thema Organspende näherbringen, insbesondere die Geschichten hinter jeder einzelnen Spende“, erzählt Konstanze Birkner, die Projektkoordinatorin. „Unsere Lebensritter sind Ansprechpersonen für alle Menschen, die Organspender oder Organspenderin werden möchten. Unsere Lebensritter sind derzeit hauptsächlich potenzielle Organspender, Ärztinnen und Ärzte oder medizinisches Pflegepersonal.“ Das Netzwerk Organspende NRW ist ein Zusammenschluss der Selbsthilfeorganisationen zu den Themen Organspende und Transplantation in Nordrhein-Westfalen. Die Ersatzkassen in Nordrhein-Westfalen unterstützen das Netzwerk im Rahmen der Selbsthilfeförderung, berichtet die zuständige Referentin des Verbands der Ersatzkassen e.V., Bärbel Brünger. Sie bemängelt die oftmals fehlenden Informationen über Organspende in Krankenhäusern, obwohl es dort sogenannte Transplantationsbeauftragte gibt. So seien vielen Menschen die rechtlichen Rahmenbedingungen einer Organspende in der konkreten Situation nicht bewusst, weder für die Spende noch für den Empfang eines Organs.

Ich habe seit Jahren einen Organspendeausweis – aus Überzeugung. Mir ist es deshalb auch wichtig, die Aufmerksamkeit immer wieder auf das Thema Organspende zu lenken und an einer sachlichen Auseinandersetzung mitzuwirken. Ich bin deshalb auch gegen eine Widerspruchslösung, wie sie z. B. in Österreich gilt, und befürworte die in Deutschland gängige Praxis der eigenen Entscheidung. Den Vorbehalten und den Ängsten der Menschen kann nur durch Information und Aufklärung begegnet werden, weshalb ich Organisationen wie das Netzwerk Organspende NRW gerne unterstütze.

Wer sich persönlich informieren möchte, der kann dies am 28. Mai 2018 am Infotruck des Netzwerk Organspende NRW bei der Seniorenmesse in den Dortmunder Westfallenhallen tun, bei der auch Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier anwesend sein wird. Am Tag der Organspende am 2. Juni 2018 wird der Infotruck auf dem Willy-Brandt-Platz in Essen stehen.