Besuch beim Comenius Berufskolleg

Die Tage, an denen ich nicht in Düsseldorf bin, nutze ich, um in Herdecke und Witten unterwegs zu sein. Ich treffe mich mit ehrenamtlich aktiven Menschen, ich besuche Einrichtungen und Vereine und tausche mich mit Initiativen aus.

Kürzlich habe ich das Comenius Berufskolleg für ein gemeinsames Gespräch mit Schulleiter Uwe Gronert und seiner Stellvertreterin Claudia Wolmerath besucht. Als Mitglied im Ausschuss für Familie, Kinder und Jugend beschäftige ich mich seit meiner Wahl in den Landtag mit dem Thema der ErzieherInnen-Ausbildung. Mir ist es wichtig, in der Diskussion auch die Situation der Fachschulen zu kennen, deshalb habe ich mich sehr über den Besuch beim Comenius Berufskolleg gefreut.

Die Fachschule an der Pferdebachstraße bildet in den Bereichen Erziehung und Heilerziehungspflege aus, die Absolventinnen und Absolventen erlangen dort ihren Abschluss als  staatlich anerkannte Erzieherinnen und Erzieher oder als staatlich anerkannte Heilerziehungspflegerinnen und -pfleger. Zwei Berufsfelder, in denen händeringend Fachkräfte gesucht werden, wie Schulleiter Uwe Gronert berichtete. Das Comenius Berufskolleg bietet dabei neben der klassischen Ausbildungsform von zwei Jahren Schule und einem anschließenden einjährigen Berufspraktikum (2+1) auch die sogenannte praxisintegrierte Ausbildung (PiA) an.

Diese Ausbildungsform wird nicht nur in NRW immer gefragter, da der schulische und praktische Teil gleichzeitig stattfinden. Die Studierenden sind für die Zeit der Ausbildung in einer Einrichtung fest angestellt und beziehen demnach auch ein Gehalt. Auch in der Landespolitik ist diese Ausbildungsform gerade vor dem Hintergrund des akuten Fachkräftemangels ein aktuelles Diskussionsthema. Aufgrund der Vergütung wird sie vor allem auch für Quereinsteigerinnen und Quereinsteiger und Männer immer attraktiver, so dass die praxisintegrierte Ausbildung als ernsthafte Option in NRW weiterentwickelt werden könnte.

Nicht nur bei den Ausbildungsformen, auch inhaltlich wird am Comenius Berufskolleg darauf geachtet, ein breites Spektrum an Wissen zu vermitteln, wie die stellvertretende Schulleiterin Claudia Wolmerath bestätigte. Fachbereichsübergreifende Projekte, so wie kürzlich das über Stadtgrenzen hinweg bekannte Songprojekt mit Bewohnerinnen und Bewohnern der Feierabendhäuser, sollen den Studierenden einen umfassenden Einblick in die späteren Tätigkeitsfelder und darüber hinaus ermöglichen. Dafür unerlässlich ist Fachpersonal, das derzeit schwer zu finden ist.

Ich nehme wichtigen Input aus der Praxis mit nach Düsseldorf. Mir wurde bestätigt, dass wir in NRW dringend mehr Studienkapazitäten und Standorte für die Ausbildung der Lehrkräfte brauchen. Vor allem wurde deutlich, dass den Fachschulen bei der Einstellung von Lehrkräften ein größerer Entscheidungsspielraum ermöglicht werden muss. Es kann nicht sein, dass qualifizierte Lehrkräfte in NRW noch nicht einmal auf Honorarbasis an Fachschulen beschäftigt werden dürfen, nur weil sie ihren Abschluss an einer Fachhochschule erworben haben. Die SPD-Landtagsfraktion NRW wird gemeinsam mit Bündnis 90/Die Grünen die Einberufung eines Expertengremiums beantragen, das sich gemeinsam mit den Verbänden den drängenden Fragen der Weiterentwicklung der Berufskollegs und etwaiger rechtlicher Veränderungen widmen soll.