Bundesratsinitiative aus NRW zum Schutz Minderjähriger vor Passivrauchen

Ich bin sehr erfreut über die Entscheidung der Landesregierung, eine Bundesratsinitiative zum Nichtraucherschutz von Schwangeren und minderjährigen Kindern in Autos auf den Weg zu bringen.

Als die SPD im Mai 2018 den entsprechenden Antrag in den Landtag eingebracht hat, war damit noch nicht zu rechnen. Insbesondere in den Reihen der Regierungsfraktionen von CDU und FDP war von Bevormundung und Verbotspolitik die Rede. Umso erfreulicher ist es, dass wir in den weiteren Beratungen über diesen Punkt Einigkeit erzielen konnten und schließlich, im März dieses Jahres, einen fraktionsübergreifenden Antrag beschlossen haben, welcher die Landesregierung beauftragt, eine Bundesratsinitiative einzubringen.

Es besteht mittlerweile kein Zweifel mehr daran, dass Passivrauchen schädlich ist. Dennoch hängt Deutschland im internationalen Vergleich im Bereich des Nichtraucherschutzes sowohl medizinischen Empfehlungen als auch vertraglich vereinbarten Standards beträchtlich hinterher. Derzeit sind etwa eine Millionen Kinder in Deutschland den Gefahren durch Passivrauchen in Autos immer noch schutzlos ausgeliefert. Ich bin erleichtert, dass auch Nordrhein-Westfalen dieses Thema nun auf die bundespolitische Agenda setzt, um eine einheitliche gesetzliche Regelung zu schaffen.

 

Hintergrund:

Passivrauchen betrifft besonders Kinder, da sie u. a. eine höhere Atemfrequenz aufweisen und sich ihre Lungen bis zum 20. Lebensjahr noch entwickeln. Auch ihr Entgiftungssystem ist noch nicht vollständig ausgereift.

Minderjährige, die wiederholt Tabakrauch ausgesetzt sind, erleiden massive Gesundheitsschäden: Hierzu gehören die Schädigung der sich entwickelnden Lunge, Atemwegsbeschwerden und Atemwegserkrankungen, beeinträchtigte Lungenfunktion und Mittelohrentzündungen, Verschlimmerung einer bereits vorhandenen Asthmaerkrankung oder auch eine Erhöhung des Blutdrucks. Mediziner diagnostizieren ferner ein erhöhtes Risiko für Aufmerksamkeitsstö­rungen, Übergewicht und Diabetes II. Außerdem erhöht Passivrauchen das Krebsrisiko.

Im ersten Lebensjahr ist Passivrauchen einer der Hauptrisikofaktoren für plötz­lichen Kindstod. Weltweit sterben jährlich 166.000 Kinder an den Folgen des Passivrauchens. Gerade in geschlossenen Räumen sind Minderjährige dem Passivrauchen verstärkt ausgesetzt. Dies gilt insbesondere in Fahrzeug­kabi­nen, denn die Passivrauchkonzentration ist für Minderjährige nirgends so hoch.

Nach Messungen des Deutschen Krebsforschungszentrums (dkfz) liegt die Schadstoffkonzentration in einem verrauchten Auto fünf Mal so hoch wie in einer durchschnittlich verrauchten Bar. Das dkfz schätzt, dass rund eine Million Minderjährige in Deutschland Tabakrauch im Auto ausgesetzt sind.